Es ist mal wieder soweit, die Öffentlichkeit brüskiert sich mal wieder darüber, das irgendwer von sogenantem Nazivokabular Gebrauch macht.
Die Moderatorin Juliane Ziegler sagte bei der nächtlichen 9Live-Sendung ProSieben-Sendung (Juliane Ziegler arbeitet für 9Live. Sie moderiert aber die Call-In-Show „Nightloft“ für die ProSiebenSat.1 Media AG, die auf Prosieben ausgestrahlt wird zu einem Anrufer: „Da musst Du ein bisschen enthusiastisch sein und arbeiten … Arbeit macht frei“. Diese als als Ansporn gemeinte Aufforderung an den Telefonkandidaten brachte der Moderatorin die sofortige Kündigung. Wieso? Der Ausdruck „Arbeit macht frei“ war einst über den Eingängen von Konzentrationslagern im Dritten Reich zu finden. Wie Die Moderatorin dazu kam, solch eine Formulierung zu verwenden bleibt unklar. Vielleicht wusste sie schlicht weg einfach nicht in welchem Zusammenhang diese Formulierung einst stand?
Denn wiedereinmal handelt es sich um eine Formulierung, die die Nationalsozialisten für ihre Zwecke missbrauchten, die aber schon lange vor ihrem Regime existent war. Ursprünglich stammt der Ausspruch „Arbeit macht frei“ nämlich von Georg Anton Lorenz Diefenbach. Diefenbach war ein Freund von Jakob Grimm und Autor, der 1873 einen Roman mit dem Titel „Arbeit macht frei“ veröffentlichte. In dem Roman geht es darum, das der Hauptprotagonist, ein Spieler und Betrüger, durch geregelte Arbeit wieder auf den Pfad der Tugend gelangt.
Wenn man der Prosieben Moderatorin Juliane Ziegler wollgesonnen wäre, könnte man ihr also auch unterstellen, ihre literarische Bildung sei einfach wesentlich besser, als ihre historische.
Auch die Redaktion der Frankfurter Rundschau konnte es natürlich nicht sein lassen und besprach diesen Vorfall in dem Artikel „Mit zweierlei Maß„. In diesem kreidet Harald Keller an, dass zwar die Moderatorin Juliane Ziegler für ihr Fehlverhalten die Konsequenzen direkt zu spüren bekam, ebenso wie Dj Tomekk, der wegen seines Hitler Grußes in einem Privatvideo die Sendung „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ verlassen musste, aber das andere Prominente sich ungehindert in schönsten Formulierungen verheddern können, ohne das sich irgendwer daran stört.
Wer da gemeint ist? Die Rede ist von Sarah Kuttner. In ihrer Viva-Sendung „Sarah Kuttner – Die Show“ machte sie sich in den Augen der Nazivokabularpolizei schuldig. In einer Folge der Show, die am 15. Dezember 2004 ausgestrahlt wurde hatte Fräulein Kuttner Christine Westermann zu Gast. Westermann moderiert zusammen mit Götz Alsmann seit Jahr und Tag die Sendung „Zimmer frei“ im WDR. Da die Sendung erst durch den Umgang der beiden Moderatoren miteinander zu dem wird was sie ist, versuchte Kuttner sich in einer Beschreibung dieser Beziehung. „Ich finde, dass das eines der größten Klischees ist, dass Götz quasi der Diktator ist und du bist die Juden.“
Diese flapsige und vermutlich sogar bewusst gewählte Formulierung sollte zugespitzt ausdrücken, dass Kuttner nicht glaubt, Götz Alsmanns würde mit seiner zu weilen forschen Art Christine Westermann unterdrücken. Wer die Sendung „Sarah Kuttner – Die Show“ mal gesehen hat, ist dieser zumeist politische nicht korrekte Humor bekannt und er wird an dieser Formulierung keinen Anstoß nehmen, da er den satirischen Charakter der Show einzuschätzen weiß.
Ob es einem gefällt oder nicht bleibt jedem selbst überlassen. Vielleicht spricht es auch für sich, das die letzte Sendung der Kuttner Show bereits am 3. August 2006 zu sehen war und Sarah Kuttner damit längst die Quittung für ihre Art des Humors erhalten hat. Das scheint aber für die Online-Redaktion der FR keine Rolle zu spielen, denn: „Bis heute waltet sie ihrer diversen Ämter.„
Sarah Kuttner waltet in diversen Ämtern? Was ist mit dieser fast nach einer Verschwörungstheorie klingenden Anmerkung gemeint? Frau Kuttener, sind sie etwa klamm heimlich in die Politik eingestiegen? Ziehen sie die Fäden in internationelen Geschäften? Über welche geheimen Informationen verfügt die Redaktion der Frankfurter Rundschau?
Februar 5, 2008 at 8:41
Unabhängig von den diskutablen Äußerungen: Juliane Ziegler als ProSieben-Moderatorin zu bezeichnen, gleicht ja fast einem Ritterschlag. Denn die Ex-Bachelor-Kandidatin ist nichts weiter als eine outgesourcte 9Live-Animateurin.
Februar 5, 2008 at 8:42
(Und ich bezweifle, dass Frau Ziegler jedwede literarische bzw. historische Bildung besitzt, die über die Realschule hinausgeht, also sollte man ihr in diesem Falle verzeihen.)
Februar 5, 2008 at 9:23
Da hast du natürlich recht! Juliane Ziegler arbeitet für 9Live. Sie moderiert aber eine Call-In-Show für die ProSiebenSat.1 Media AG, die auf Prosieben ausgestrahlt wird.
Und ja, sie hat einen Realschulabschluss und zudem eine Ausbildung, als Schornsteinfegerin vorzuweisen.
Februar 6, 2008 at 12:21
Sollte man als Medienmensch nicht eben dieses kleine Einmaleins der bösen Ausdrücke kennen und tunlichst auch zu vermeiden wissen? Wird sie also nicht viel mehr für ihre Unfähigkeit in Bezug auf dieses Vokabular abgestraft, als für den Ausdruck an sich?
Februar 6, 2008 at 4:29
Wahrscheinlich, aber dann ist es ja noch größerer Quatsch. Juliane Ziegler ist zwar ein Medienmensch, aber eben kein sonderlich qualifizierter, dass sie trotzdem im TV auftreten darf, ist aber nicht ihre Schuld, sondern die des Senders.
Und auch diese Entscheidung ist nachvollziehbar, denn diese Spiele- und Verkaufssendungen, die Nachts laufen ziehlen ja auf ein Publikum ab, das nicht gebildet genug ist um zu erkennnen wodurch sich diese Sendungen finanzieren. Gleichzeitig stehen diese Menschen finanziell so schlecht dar, das sie sich gerne dem Traum des schnellen Geldes hingeben.
Um solche Menschen zu erreichen beziehungsweise zum mitmachen zu animieren, würde ich auch keinen Dokor dort hinstellen. Zum einen wäre er überqualifiziert und zum anderen hätte er wahrscheinlich Schwierigkeiten die Sympathie der Zuschauer zu gewinnen, weil man zum Beispiel seine Ausdrucksweise als hochgestochen empfinden würde.
Die Moderatorinnen in solchen Sendungen sollen ja als helfender Freund erscheinen, dem es am Herzen liegt, das die Leute anrufen, um zu gewinnen.
Anklagen müsste man also Sender, die Konzepte benutzen die die Armut (Bildung und Finanzen)der Menschen ausnutzt um damit Geld zu verdienen.
Ich finde also nicht, dass man einer Frau wie Ziegler, die eben keine korrekte Ausbildung zum „Medienmesch“ genossen hat einen Vorwurf dafür machen kann, das sie trotzdem vor der Kamera steht.