Eigentlich habe ich kein Problem damit gefangen zu sein. Im Gegenteil, oft ist das sehr bequem. Es gibt keine unangenehmen Überraschungen. Man muss weder denken noch planen. Und so lasse ich mich treiben in meinem völlig durch strukturierten Leben. Ein Blick am Morgen und ich weiß wohin die Reise geht.
Stehe auf. Ziehe mich an. Putze die Zähne. Trinke einen Kaffee. Schließe die Tür ab. Laufe zur Haltestelle. Die Lichter gehen aus. Der Graubart neben mir hustet laut auf. Steige ein. Sitze, an guten Tagen. Das Pferdemädchen lehnt seinen Körper an meinen.
Ich gebe es offen zu, es hat mich ganz schön erschreckt, als ich mich plötzlich entscheiden sollte. Das ist doch wirklich nicht zu erwarten! Wie soll das denn funktionieren?
Gut, wir bekamen eine Liste aus der man auswählen konnte. Aber was für eine! Seiten lang! Hunderte Möglichkeiten.
Verdattert starre ich auf dieses Papier, welches mein Drucker mir unter gequältem Ächzen vor die Füße gespuckt hat. Wie…was soll ich denn…woher soll ich denn wissen was gut für mich ist? Schießt es mir durch den Kopf. Also mal ehrlich, eine regelrechte Unverschämtheit das Ganze!
Von einem Tag auf den anderen habe ich die Freiheit zu wählen. Stell dir das vor, einfach so! Ok, denke ich widerwillig. Dann versuch ich das jetzt. Vielleicht gibt es einen Weg. Emotionale Vorbereitung, preziöses Herangehen ist gefragt. Hätte ich nur früher schon die Freiheit gehabt zu wählen! Dann wüsste ich jetzt, wie man das macht.
Das Pferdemädchen duftet nach Aloe Vera und Trauben. Ich zähle die vorbei fliegenden Bäume, warte auf das Eckhaus. Noch vier Mal wird der Bus halten. Geduldig fülle ich die Zwischenräume mit Zahlen. Gebe heimlich den Wolken Namen.
Da überkommt sie mich. Die Idee. Ich weiß es jetzt! Ich gehe nach dem Ausschlussverfahren vor. Es gibt ja meinen Plan. Meinen guten alten Freund. Er strukturiert ja mein Dasein. Und er ist straff! Es wird also kaum Zeit bleiben und einige Möglichkeiten werden von selbst wegfallen!
Wie im Fieber durchwühle ich meine Tasche. Wo ist er? Dahinten unter dem…nein, nein er muss da vorne sein! Ich verschrecke mein Pferdemädchen. Es schwingt sich samt seiner Rehaugen ein Stück zur Seite. Dieser hochmütige und zugleich scheue Blick!
Der geht also schon mal nicht. Der nächste Termin auch nicht…hm der ja auch nicht! Die gehen ja alle nicht. Ha, doch der da! Einer? Nein zwei! Drei! Aber zwei davon finden parallel statt. Wow, zwei Möglichkeiten. Und die kann ich beide nehmen! Ich muss mich nicht entscheiden. Ich muss gar nicht wählen. Das war alles gelogen. Blos geheuchelt. Ich bin nicht frei. Na, das ist ja noch mal gut gegangen.